Redaktion Dirk Jung www.dirkjung.de
Sunday, 26. October 2014, 03:53 Uhr | Diese Seite wurde eingestellt am Monday, 3. January 2005, 00:22 Uhr | letztes Update der Seite:04.01.2005, 00:22 Uhr

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Stellungnahmen von Sendern an die Redaktion Dirk Jung

Nachdem sich Ablehnung der Sender dem Vorschlag der Welthungerhilfe gegenüber abzeichnete, bat die Redaktion Dirk Jung per Mail die betroffenen Sender um eine Stellungnahme. In der Anfrage seitens der Redaktion wurde nachgefragt, ob es den Sendern nicht möglich sei, sich abzustimmen und es wurde unterstellt, dass jede TV-Station darum bemüht sei, möglichst als Klassenbester aus dem Spendensammel-Wettkampf hervor zu gehen. Auch auf den Vorschlag, alle Benefizsendungen am gleichen Tag und zur gleichen Zeit auszustrahlen, wurde reagiert. "Einmal den Zuschauer nicht mit Superlativen zuzuschmeissen und in diesem Fall besonders der Sache dienlich zu sein, wäre ein guter Vorsatz für das kommende Jahr", so ein Satz aus der Mail der Redaktion.

Es soll besonders auf diesen Seiten zum Seebeben darauf hingewiesen sein, dass die Grenze zwischen journalistischer Distanz und emotionaler Nähe seitens der Redaktion nicht gewahrt bleibt.

Herr Walter Kehr, ZDF, schrieb am 30.12.2004:

Wie Sie möglicherweise schon erfahren haben, steht mittlerweile die Planung für eine ZDF-Benefiz-Gala zugunsten der Opfer des Seebebens (Sendetermin Dienstag, 4. Januar, 20.15 Uhr). Zusätzlich zu den Hilfsorganisationen, die sich im "Aktionsbündnis Katastrophenhilfe" zusammengeschlossen haben, wird auch die Welthungerhilfe Partner dieser Sendung sein.

Unabhängig davon möchte ich gerne noch auf die Fragen eingehen, die Sie aufgeworfen haben.

Die Aktivitäten der Hilfsorganisationen bei der Spendenakquise sind nicht koordiniert; die Hilfsorganisationen haben sich in Teilen zu Bündnissen zusammengeschlossen; es gibt aber keinen Ansprechpartner für alle; die Haltung der Hilfsorganisationen ist unterschiedlich - die Welthungerhilfe hat ihren Vorschlag, andere haben andere Vorstellungen. Dies ist indes nicht von einem Fernsehsender zu koordinieren oder zuu beeinflussen. Wir haben in der Vergangenheit schon mehrfach angemahnt, bei solchen Katastrophen nach dem Vorbild in anderen Ländern einheitlich vorzugehen. Dies war anscheinend bislang nicht zu organisieren.
 

Der Vorschlag der Welthungerhilfe für eine gemeinsame Benefizveranstaltung aller Sender wurde vom ZDF nicht abgelehnt, sondern ist in angemessen kurzer Zeit nicht zu realisieren. Das ZDF hat aber - siehe oben - einen Weg gefunden, die Welthungerhilfe mit ins Boot zu nehmen. RTL und Pro 7 haben keine Benefiz-Sendungen für die Betroffenen des Seebebens vorgesehen, SAT.1 hatte bereits gestern die Planungen für seine Sendung abgeschlossen und stünde für ein gemeinsames Projekt ebenfalls nicht mehr zur Verfügung, so dass tatsächlich kurzfristig nur der Weg einzelner Benefiz-Veranstaltungen in den jeweiligen Sendern blieb.

Unter dem aktuellen Eindruck der Katastrophe ist die Spendenbereitschaft in der deutschen Bevölkerung sehr groß; es kommt nach unserer Überzeugung darauf an, dass die Massenmedien so schnell wie möglich den Spendenfluss kanalisieren und den Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen; dies gelingt mit drei großen Benefiz-Galas (SAT.1, ARD und ZDF) an prominentester Stelle im Programm; die Sendungen stehen nicht im programmlichen Wettbewerb miteinander. Nach unserer Überzeugung sind dadurch mehr Spendengelder zu sammeln als mit einer einzigen Sendung, die überdies nach erfahrungsgemäß langwierigen Koordinationsgesprächen erst sehr viel später gesendet werden könnte

Es geht tatsächlich nicht darum, wer am meisten Geld eingesammelt hat, sondern darum, dass am Ende in der Summe alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, die finanzielle Grundlage für die Arbeit der Hilfsorganisationen sicherzustellen, die über die aktuelle Soforthilfe hinausgeht. Dafür wollen wir nach Kräften unseren Beitrag leisten. Ihr Verdacht, nach einer Benefiz-Sendung gehe dann jeder Sender wieder zur Tagesordnung über und bediene seine Zielgruppe, trifft jedenfalls nicht auf das ZDF zu. Auch in der Vergangenheit haben wir uns bei ähnlichen Anlässen nicht auf die aktuelle Berichterstattung von Krisen und Katastrophen beschränkt, sondern über den Tag hinaus in Reportagen, Dokumentationen - und gegebenenfalls auch weiteren Benefiz-Aktionen - uns für die Betroffenen und die Zuschauer darum gekümmert, was geschieht, wenn die Ersthelfer und die Reporter-Teams abgezogen sind und der ebenso schwierige Weg in den neuen Alltag beginnt, wenn zerstörte Regionen wieder aufgebaut werden müssen, enn Menschen, deren Existenzgrundlagen vernichtet wurden, wieder Fuß fassen müssen.

Mit besten Grüßen

und guten Wünschen für ein friedvolles neues Jahr

Walter Kehr

ZDF-Pressestelle

Frau Schardt, ProSieben:, schrieb am 3. Januar 2005:

[...] 

bei dieser furchtbaren katastrophe geht es - das können sie mir glauben - wirklich nicht darum, dass jeder sender unbedingt sein eigenes süppchen kochen will. oder um einen wettlauf, welcher sender die schnellste und beste spendengala auf die beine stellen kann.

ganz im gegenteil.

gerade durch mehrere veranstaltungen zu unterschiedlichen sendeterminen können die einzelnen sender mehr publikum, mehr spender, mehr gelder erreichen. und gerade darum geht es ja in diesem fall. ich habe dazu einen sehr interessanten artikel im heutigen tagesspiegel gelesen, den ich ihnen gerne als pdf-dokument anhänge. vielleicht kann er ihrem ärger ein wenig entgegenwirken.

<<Tagesspiegel.pdf>>
herzlich grüße,
diana schardt

Anm. d. Red.: Folgend ist der angespochene Artikel im Tagesspiegel verlinkt.

"Jede Stunde zählt"

Markus Ehrenberg, Tagesspiegel




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