von Dietmar Wolfgang Pritzlaff
Der neue Tanzabend ist laut Programmheft eine Koproduktion mit dem Teatro Santiago a Mil und dem Goethe-Institut Chile. Das Ensemble rund um Pina Bausch war einmal mehr auf Reisen und hat die Menschen Chiles kennen gelernt.
Eifrige Bausch-Fans wissen, dass jetzt nicht, wie man glauben könnte, ein Stück über Chile dabei herausgekommen ist. Vielmehr kann man Chile in der Auswahl der Musik heraus hören und wird durch kleine Geschichten sichtbar, die sich nicht nur in der chilenischen Lebensart finden lassen. Obwohl einmal ein Tänzer doch in traditioneller Kleidung auf der Bühne sitzt - in einem bunten Poncho.
Waren Pina Bauschs früheren Werke durchzogen von der Wucht zwischenmenschlicher Ausbeutung der Gefühle, Geschlechterkampf und Machtstreben, finden sich diese Elemente nur noch vereinzelt in dem neuen Stück wieder.
Das ist leicht und munter, was sich sogar auf die Länge des Stückes auswirkt. Waren früher drei Stunden und mehr keine Seltenheit, reichen Pina Bausch heute nur noch zweieinhalb Stunden inklusive einer Pause, um einen ganzen Kosmos der Gefühle zu verarbeiten.
Die Bühne wirkt einmal mehr schlicht und einfach, frei nach dem Motto: Weniger ist mehr. Man könnte es mit den Worten der großen Diseuse Georgette Dee sagen: "Mehr ist mehr!"
Wirkliche Fans wird es nicht von den Stühlen reißen, wenn sich der weiße Bühnenboden wie von Geisterhand oftmals in einzelne Stücke auseinanderreißt und tiefe Löcher zeigt. Das wirkt wie Eisschollen die auseinander driften. Ist das Leben erstarrt oder zeigt uns das Stück einen Aufbruch? Das muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Allerdings hofft der Fan doch auf große Bilder und dramatische Höhepunkte wie z. B. der Tanz im Regen in dem Stück VOLLMOND. der Wasserfall in dem Stück EIN TRAUERSPIEL oder das Schiff aus DAS STÜCK MIT DEM SCHIFF. Leider wird der Zuschauer etwas enttäuscht, denn diese großen Höhepunkte finden hier nicht statt.
Hier sind es eher die vielen kleinen Gesten auf die es in diesem Stück ankommt. Als großes Bild wird mal wieder ein Vorhang herabgelassen auf dem ein Videofilm gezeigt wird. Vor diesem fließenden, reißenden Wasser wird getanzt. Dieser Kunstgriff ist nicht neu, man kennt es aus einigen anderen Stücken, wie z. B. O DIDO oder NUR DU.
Und doch beinhaltet dieses neue Stück einige bemerkenswerte Einzelheiten. So spannt z.B. ein Tänzer ein langes Seil diagonal über die Bühne, um an dem Seil bis zur anderen Seite zu hangeln.
Für eingefleischte Fans wird dieser Tanzabend zu einer Art Quintessenz der Bausch-Stücke. Die Tänzer und Tänzerinnen singen, tanzen und erzählen kleine Geschichten. Auch das ist ein immer wiederkehrendes Element des Tanztheater der Pina Bausch.





