Die Überschrift ist ein Zitat aus dem neuen Film "Barfuss" von und mit Til Schweiger, der am 31. März bundesweit in den Kinos anlief. Am Vorabend erlebte er in dem traditionellen deutschen Premierenkino, der Essener Lichtburg, seine Welturaufführung. Die Betonung liegt auf "erlebte", denn es war ein Erlebnis. Nicht nur der Film, sondern auch die durchweg positiven Reaktionen der geladenen Gäste.
Von Dirk Jung
Mit den Termini "Weltpremiere" und "Welturaufführung" inflationär um sich zu schmeissen ist eher Privileg der privaten TV-Stationen, die ihren Mittwochs-Film so besser zu vermarkten hoffen,. Sie suggerieren dem Fernsehzuschauer, der Streifen sei etwas ganz besonderes und laufe demnächst auch in jedem Kino und auf jedem Fernsehkanal der Welt. Um eines hier vorweg zu nehmen: Der Film "Barfuss" hat zumindest das Potential, nicht nur im Ursprungsland viel beachtet zu werden.
Die Geschichte läßt sich nicht "mal eben" in zwei Sätzen zusammenfassen - daher wird sie hier auch nur annähernd beschrieben. Dieser Bericht soll eher den Anreiz geben, sich den Film ein zweites Mal anzusehen - immerhin ist er bei Erscheinen des Artikels bereits gestartet und jeder, der guten deutschen Film sehen will mit einer guten - einer sehr guten Besetzung, sollte in einem der Multiplexe wie in Trance automatisch in den Kinosaal mit Überschrift "Barfuss" gehen.
110 Minuten. Für einen Problemfilm schon sehr hart an der Grenze des Erträglichen. Nicht aber, wenn der Humor, die Situationskomik einen breiten Raum einnimmt. 110 Minuten wie im Fluge. Jeder mag es selbst beurteilen, aber: keine Sekunde Langeweile.
Nach mehreren erfolglosen Jobs arbeitet Nick (Til Schweiger) als Putzkraft in einer Psychiatrie. Gleich am ersten Tag meint einer der Insassen, die Flasche Domestos ansetzen zu müssen, die aufgrund einer Unachtsamkeit des Putz-Novizen Nick für alle unbeaufsichtig zugänglich war. Folge: Kündigung nach einem halben Arbeitstag. Beim Senieren über die weitere berufliche Zukunft beobachtet Nick in den Waschräumen der Anstalt, wie sich eine junge Frau (Johanna Wokalek) erhängen will und kann sie im letzten Moment vor dem Freitod bewahren. Ab diesem Zeitpunkt ist Leila, so ihr Name, Nicks Schatten. Als dieser die Klinik verlässt, kann sie ihm unbemerkt folgen - und landet schliesslich vor dessen Wohnungstür. Was für Nick als ein weiteres Intermezzo seiner "Berufskarriere" begann, wird nun zu einer Beziehung zwischen ihm und Leila. Man wird als Zuschauer schmunzeln, kurz darauf lauthals lachen, um schliesslich mit den Tränen zu kämpfen, bevor man wieder tief versunken in den Film durch eine Pointe Entspannung erfährt. Viele Lacher gehen auf das Konto von Leilas kindlichem Charme und ihrer Naivität, aber nie auf ihre Kosten. Was für eine Gradwanderung in dem Film gelungen ist, wird man erst beurteilen können, wenn man den Film gesehen hat und wenn einem bewusst wird, wie leicht die Würde behinderter Menschen hätte Schaden nehmen können. Til Schweiger führt die psychisch angeschlagene Frau nie vor, sondern liefert ein authentisches Rezept im Umgang mit ihr und anderen behinderten Menschen.
Die einzelnen Rollen wurden den Protagonisten entweder auf den Leib geschrieben oder sie wurden exzellent danach ausgewählt und eingeladen - wie auch immer es gewesen ist, alle Schauspieler fühlen sich offenbar sehr wohl in ihren Rollen. Til Schweiger hat jeden einzelnen Schauspieler, den er im Film haben wollte, persönlich angerufen und nachgefragt, ob sie mit ihm an diesem Projekt arbeiten möchten. Das Resultat vermittelt den Eindruck, dass genau die Richtigen zugesagt hatten. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit - es ist nur einer von vielen Berichten, die dieser Tage zu "Barfuss" erscheinen. Daher werden hier auch nicht nochmal die Hauptdarsteller gelobt, die allesamt ihr Handwerkszeug verstehen. Interessant sind eben auch die Darsteller, die in den Gastrollen brillieren - wobei das Wort "Gast" völlig deplaziert ist: ein Film ist wie ein Puzzle und nur alle Teile ergeben das gewünschte Gesamtergebnis. Auf den ein oder anderen Gast kann man verzichten, nicht aber auf ein Puzzleteil - soll heissen: das, was mit Gastrollen in der Presse beschrieben wird, sind die kleineren Rollen. Und auf die hätte man nicht verzichten können, weil jede der kleineren Rollen Gewicht besitzt. Umso größer die Überraschungen, wenn man den Hausmeister der Klinik, gespielt von Jürgen Vogel, nur ein paar Sekunden auf der Leinwand sieht - dafür erzeugt er in der Minimalzeit einen echten Brüller (man kann nur für ihn hoffen, dass es Schokolade war - für die Insider unter den Lesern). Armin Rohde erkennt mancher erst auf den zweiten Blick, wenn er eine Parkbank für sich beansprucht - und dies für den weiteren Handlungsstrang zumindest kurzzeitig Folgen hat. In der Rolle eines Autohändlers ist Mark Keller zu sehen, Markus Maria Profitlich und Axel Stein spielen zwei weitere dieser Berufsgattung und sind zudem mitschuldig daran, dass man sich im Kinosessel wegen eines Huhnes wegschmeisst.
Nach der Vorführung dankte Til Schweiger dem gesamten Team - wie sehr sich alle ergänzt und verstanden haben müssen, darauf liessen seine Tränen schliessen. Der Mann kam nicht nur als Schauspieler authentisch rüber, sondern auch dort auf dem Podium, als er sich für die Unterstützung und die Zusammenarbeit bedankte.
Um den Titel dieses Beitrags zu verstehen, muss man in den Film gehen - es ist eine der schönsten Szenen des deutschen Films, solange man nur einen Hauch von Romantik besitzt - und es eröffnet manch einem ganz neue Sichtweisen im Umgang mit behinderten Menschen und deren Recht auf Selbstbestimmung.
Der Inhalt des Films (übernommen von der Homepage www.barfuss-derfilm.de)
Wie weit gehst Du, wenn Du verliebt bist?
Für Nick Keller (Til Schweiger) stellen sich gerade wichtigere Fragen. Er verliert einen Job nach dem anderen und seine Familie, vor allem sein Stiefvater Heinrich (Michael Mendl) und sein Bruder Viktor (Steffen Wink) halten ihn für einen totalen Versager. Nur seine Mutter (Nadja Tiller) hat den Glauben an ihn noch nicht verloren.
In letzter Sekunde verhindert Nick bei seinem neuesten Aushilfsjob in einer psychiatrischen Klinik, dass sich die junge Leila (Johanna Wokalek) das Leben nimmt. Das hat ungeahnte Konsequenzen: Leila folgt ihrem Retter heimlich und steht abends plötzlich vor seiner Tür. Im Nachthemd und barfuss.
Nicks Versuche, sie abzuwimmeln, schlagen alle fehl – Leila hat beschlossen, für immer bei ihm zu bleiben. Nick, der noch nie in seinem Leben für andere Verantwortung übernommen hat, und Leila, die die Welt mit staunenden Kinderaugen sieht, begeben sich gemeinsam auf eine Reise – ein ungleiches Paar, das sich zusammenraufen muss, sich immer näher kommt... und dabei ein Abenteuer erlebt, das ihr beider Leben verändern wird... für immer!





