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Friday, 3. September 2010, 19:08 Uhr | Diese Seite wurde eingestellt am Friday, 5. November 2004, 10:58 Uhr | letztes Update der Seite:20.12.2005, 10:58 Uhr

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Bärenbrüder

Elche gut, alles gut

Der neue Film „Bärenbrüder“ („Brother Bear“), der am 18. März in die deutschen Kinos kommt, ist der 44. abendfüllende Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney. Mit sechs neuen Songs von Phil Collins untermalt, wird man in die Welt vor 10.000 Jahren versetzt. In der Tradition von „Mulan“ und „Tarzan“ wurde die Geschichte von drei Brüdern zeichnerisch in Szene gesetzt.

Von Dirk Jung

Der Film will die Botschaft von Bruderliebe, Toleranz und Freundschaft näherbringen. Man wird in den Nordwesten Amerikas mitgenommen, um die drei Brüder Sitka, Kenai und Denahi kennenzulernen. Durch einen tragischen Unfall wird der Älteste, Sitka, während eines Kampfes mit einem Bären getötet. Der Bär überlebt den Unfall, doch Kenai, der jüngste der Brüder, schwört diesem Rache, da er ihn für den Tod seines Bruders verantwortlich macht. Etwas unglaubliches jedoch passiert, als Kenai es schafft, den Bären zu überwältigen: er selbst wird in einen Bären verwandelt. Plötzlich in eine völlig neue Lebenswelt versetzt und mit Hilfe eines kleinen Grizzlys namens Koda, lernt er viel, was ihm als Mensch verschlossen geblieben wäre. Der zornige Kenai und der liebenswert tolpatschige Koda ergänzen sich. Aus einer anfänglichen Zweckgemeinschaft heraus, in der der Kleine seine Mutter finden will, der Große auf der Suche ist nach „dem Berg, wo das Licht die Erde berührt“, um rückverwandelt zu werden, schliessen sie Freundschaft.

Abspann nicht vergessen

Zwei besonders nette Kreaturen tauchen in der Szenerie immer wieder auf: die beiden nach Alaska eingewanderten Elche Benny und Björn – ob die Namensgeber da wohl an eine schwedische Popgruppe dachten? Würde es bei animierten Filmen auch eine Oscars®-Kategorie für die besten Nebendarsteller geben, so könnte es keine anderen Gewinner geben. Diese beiden leicht unterbelichteten Geweihträger liefern beim jüngeren, wie beim älteren Publikum gleichermaßen die meisten Lacher. Und als sich die beiden auf recht niedliche Weise gegenseitig ihre Liebe gestehen, wird auch der letzte Zweifler über die bis dahin nur angedeutete Beziehung der beiden zueinander aufgeklärt sein.
Abgesehen von den Kalauern der Elche finden sich die besten leider erst im Abspann wieder - schade, daß sie nicht vorher in den Film eingebaut wurden. Dies heißt aber auch: auf jeden Fall den Abspann nicht verpassen.

Nicht nur künstlerisch ragt dieser Disney heraus, auch durch seine Konzeption und seine Komplexität. Von der ersten Idee, später mit „Bears“ als Arbeitstitel, bis hin zur Veröffentlichung vergingen 10 Jahre. Es ist der erste Disney-Zeichentrick, der fast komplett in den Studios in Florida entstand. Kalifornien, Wyoming und Alaska wurden besucht, Bärenexperten wurden in die Studios zur Beratung geladen und sogar Bärenjunge direkt vom Zeichentisch beobachtet, um spezifische Bewegungen zu studieren.

Die Natur – so natürlich wie möglich

Die Natur sollte mit den Mitteln der Zeichentrickkunst dargestellt werden – so natürlich, wie möglich: unterschiedliche Schichten des Himmels, unterschiedliche Arten von Wolken, raue und primitive Landschaften, Berge, die sich auf Berge türmen und nicht zuletzt natürliche Bewegungsabläufe der dargestellten Figuren.

Besondere filmische Mittel wurden hinzugezogen, um die Darstellung der Verwandlung von Kenai in einen Bären und sein Leben als Bär zu unterstreichen. Einerseits werden dem Film die kräftigen Farben vor der Verwandlung entzogen, um sich danach noch kräftiger als zuvor zu präsentieren. Und hier wird das Filmformat von dem gewohnten 1,85:1 in das beeindruckende Cinemascope mit 2,35:1 geöffnet. Der Zuschauer, wenn er es überhaupt bemerkt, wundert sich kurz, weiß aber nicht genau, ob sein Eindruck ihn nicht täuscht, ob der Film plötzlich „breiter“ wurde. Nicht überhörbar ist, daß zu diesem Zeitpunkt auch der Sound voluminöser wird.

Phil Collins auf Deutsch

Hört man sich die musikalische Untermalung und die Songs an, so läßt sich eine solide Arbeit von Phil Collins feststellen. Im Gegensatz zu den englischen Original-Songtexten hören sich die von Phil Collins in deutsch gesungenen Lieder, wie schon bei „Tarzan“, etwas gewöhnungsbedürftig an. Da fragt dann schon mal ein Kind im Publikum seine Mutter: „Warum singt der denn so komisch?“.

Besonderes Augenmerk sollte man auf eine Aktion richten, die Buena Vista International (die Verleihfirma des Films) zusammen mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) organisiert. Beide stellen gemeinsam einen kostenlosen Unterrichtsleitfaden für Schulen zur Verfügung und neben weiteren Informationen zum Film unter baerenbrueder.de gibt es unter wwf.de/baerenbrueder.de mehr zu diesem gemeinschaftlichen Unterfangen.

Die Geschichte um die drei Brüder Kenai, Sitka und Denahi konnte sich gegen die Konkurrenz bei den diesjährigen Oscars® nicht durchsetzen. Mit „Findet Nemo“ und „Das große Rennen von Belleville“ (Bundesstart: 8. April 2004) waren in der Kategorie zwei weitere Schwergewichte der Animationskunst nominiert. Letzterer, eine französisch-kanadisch-belgische Produktion um eine Großmutter, die mit ihrem Hund auf die Suche nach ihrem auf der Tour de France verlorengegangenen Enkel geht, ist sicherlich einer der skurillsten und besten Filme des deutschen Kinojahres. Doch mit dem Kassenschlager „Findet Nemo“ (bis Februar 2004 860 Millionen Dollar Einspiel und damit der weltweit erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten) konnte ein ebenso hervorragender Film die Trophäe nach Hause holen.


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