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Wednesday, 17. September 2014, 15:33 Uhr | Diese Seite wurde eingestellt am Thursday, 3. June 2010, 18:02 Uhr | letztes Update der Seite:03.06.2010, 18:02 Uhr

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RUHR.2010 - Emscherkunst

18 Mal Kunst zur 1. Biennale auf der „Emscherinsel im Pott“

Von Mai bis September 2010 sind 18 Großprojekte auf der Emscherinsel zu entdecken, zu erleben und auszuprobieren. Es gibt Turmbesteigungen, Fernrohrstationen, eine Videoinstallation, Theateraufführungen und ein Wasserobjekt mit Gesang. Es tut sich was zwischen Ruhr und Emscher. Ein Landstreifen, den es zu erkunden lohnt.

Von Dietmar Wolfgang Pritzlaff

Die sogenannte Emscherinsel, ein Landstrich zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal, wird zur Kunstinsel. Mitten im Ruhrgebiet gelegen wird dieser Bereich zum Ausflugsort für Wander- und Radtouren zu den Erlebnis-Kunst-Welten des Großprojektes EMSCHERKUNST und so ganz nebenbei zur Eroberungstour eines Landstrichs, der fast vergessen schien.

Ausschlaggeben war die Renaturierung der Emscher mit Spitznamen „Köttelbecke“, dem Abwasserkanal des Kohlenpotts. Dieser Emscher-Umbau begann mit der IBA, der Internationalen Bau-Ausstellung, im Ruhrgebiet und wird noch bis ca. 2020 andauern. Dann aber soll die Emscher wieder in einem Naturbett klares Wasser führen, mit kleinen Auen, mit überwucherten Ufern und natürlichen Überschwemmungsgebieten. Zur Zeit riecht die Emscher leider immer noch metallisch industriell. Immer noch hat sie eine graue, unansehnliche Farbe. Es muss noch viel gemacht werden, um wieder frisches, klares Flusswasser fließen sehen zu können.

Der Anfang ist gemacht: Mit dem Großprojekt EMSCHERKUNST will die Ruhr.2010 auf diesen Landstrich aufmerksam machen. Die Emscherinsel, 37 km lang und an manchen Teilstrecken 200 bis 2000 Meter breit, soll vollständig zu einer Erlebniswelt werden in der der Besucher wandern, Rad fahren, spazieren gehen, mit dem Schiff erkunden, picknicken und sogar übernachten kann.

Wo früher nur Teilgebiete erschlossen waren, überziehen jetzt Radwege komplett die Emscherinsel. Zu dem Projekt EMSCHERKUNST gibt es 3 Radstationen an denen man Räder auch leihen kann, wenn man keines zur Hand hat. An den Informations-Standorten liegen Radwegepläne aus und Infos über die Kunstwerke.

Die Kunstobjekte sind weit verstreut aufgestellt, so dass die Besucher am besten mehrmals die Insel für sich erobern und in Teilstrecken ihre Erkundungen vornehmen können.

Über Kunst lässt sich streiten, allerdings gibt es hier einige Projekte die sich erst erschließen, wenn man sie erlebt hat.
Zwei öffentliche Toiletten, die auch wirklich benutzt werden dürfen und sollen, schweben symbolisch über den noch schmutzig-grauen Wassern der Emscher. Die Abwasser durchfließen mehrere Sicker-Behälter und Pflanzbeete. Und wer den Mut aufbringt, kann dieses Wasser an einem Wasserhahn, der über dem Rhein-Herne-Kanal schwebt, gleich wieder trinken. Keine Angst, das Wasser soll Regenwasserqualität haben und ist absolut genießbar.

Es gibt ein Haus, in dem man „warten“ kann (WARTEN AUF DEN FLUSS von der niederländischen Künstlergruppe Observatorium), ein anderes Haus, das von alleine seinen Standort wechselt (WALKING HOUSE von der dänischen Künstlergruppe N55) und sich eigenständig fortbewegt. In diesen Häusern kann man Übernachtungen buchen und jedem Besucher sollen sie als Wohn- und Arbeitsstätten zugänglich sein.

Es lässt sich ein Aussichtsturm entdecken (WALKWAY AND TOWER von Tadashi Kawamata), eine Vogel-Beobachtungsstation (GESELLSCHAFT DER AMATEUR-ORNITHOLOGEN von Mark Dion), einen Obelisk aus Carbon (CARBON OBELISK von Rita McBride) und eine zu jeder zweiten vollen Stunde singende Wasserskultur (LEBEN – KAUM GESANG von Bogomir Ecker und Bülent Kullukcu). Auch einen Spitznamen hat die gelbe durchlöcherte Stahlskulptur mitten im „Herner Meer“, dem ehemaligen Hafen „Friedrich der Große“ schon: sie wird liebevoll KÄSESTANGE genannt. Hellgelb ragt Sie weitsichtbar aus dem Wasser und bildet zur Zeit einen wunderschönen Kontrast zu einem naheschwebenden SchachtZeichen-Ballon (www.schachtzeichen.de).

In Herne auf der ehemaligen Klärwerksanlage wurde ein Faulturm zu einem Riesenkunstwerk umgebaut. Von außen erwartet den Besucher ein Mosaik aus Millionen von blau-weißen Einzelstücken (GLÜCKAUF – Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet – von Silke Wagner). Eine großformatige Zeittafel der Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet. Drinnen sieht der Besucher auf vier Leinwänden eine Videoinstallation, die auch bei mehrmaligem Betrachten rätselhaft und mysteriös bleibt. Die Botschaft heisst es zu entschlüsseln, wenn man sich darauf einlassen kann. Schon alleine die Ersteigung des Faulturms bis zur Video-Plattform und die völlige Finsternis auf der Film-Etage lohnen den Besuch.

Einen Mond, der an einem Kran baumelt und ein „goldenes Dorf“ (BASIS – das goldene Dorf – Kunstakademie Münster wird der Besucher ebenso entdecken, wie auch drei Kasperltheaterstücke von Stephan Huber. Mehrere Aussichts-Fernrohre überraschen, da sie nie das zeigen, was sie zeigen sollten, sondern Bilder der Vergangenheit oder der Zukunft: wie sah die Landschaft gestern aus, wie wird sie morgen nach Umbau aussehen.

Zwei Objekte werden innerhalb der Ausstellungszeit erst noch fertig gestellt: Ein riesiger Schriftzug auf der Anhöhe Emscherbruch (SATISFYME von Monica Bonvicini) und die Fußgänger- und Fahrradbrücke am Schloss Oberhausen über den Rhein-Herne-Kanal (SLINKY SPRINGS TO FAME von Tobias Rehberger). Diese Objekte werden bis zum Abschluss der EMSCHERKUNST fertig sein. Das heisst, man sollte schon mal mehrere Besuche der Emscherinsel einplanen, um alle Kunstwerke sehen zu können.

Einige Objekte werden Dauerkunstwerke sein und an ihren Orten verbleiben - so die Brücke und der Faulturm. Andere werden neuen Kunstwerken weichen müssen, denn die EMSCHERKUNST soll sich als Kunst-Biennale im Ruhrgebiet etablieren. Zu wünschen wäre dem Landstrich eine Neu-Besiedelung der Emscherregion. Vielleicht wird man eines Tages gerne und voller Stolz sagen: „Ich wohne an der Emscher!“.


Die Ausstellung EMSCHERKUNST wurde am Samstag, den 29. Mai 2010 mit einem großen Bürgerfest eröffnet und dauert bis 05. September 2010. Zwischen 10-19 Uhr informieren fleißige Helfer vor Ort über die Kunstwerke.

Weitere Informationen:
www.emscherkunst.de
oder:
www.ruhr2010.de




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