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Saturday, 11. September 2010, 02:09 Uhr | Diese Seite wurde eingestellt am Thursday, 1. December 2005, 11:49 Uhr | letztes Update der Seite:09.12.2005, 11:49 Uhr

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Gefesselt von Unerwartetem

Oliver Menn schreibt über Mensch und Hund

Die Tatsache, dass einige Eliten der ganz großen Öffentlichkeit verborgen bleiben, ist zwar einerseits sehr schade, kann aber andererseits, aufgrund der so entstehenden Nähe zwischen Akteuren und Zuschauern während einer Veranstaltung, dem engagierten Durchschnitt ein außergewöhnliches Erleben ermöglichen.

Von Oliver Menn

Am 29. und 30.05.2005 war ich auf dem "International Retriever Event at Sherborne Castle" Zeuge eines solchen Ereignisses, bei dem oben erwähnte Nähe nichts zu wünschen übrig ließ. Im Gegenteil...

Ich starte gar nicht erst den Versuch von objektiver Berichterstattung, da jeder Versuch einer Beurteilung von Leistungen und Aufgabenstellungen aufgrund meiner überschaubaren Kompetenzen reine Anmaßung wäre. Außerdem wäre eine technische Skizzierung der Aufgaben nicht das, was diesen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat.


Nun werden einige versucht sein, zu sagen, dass dies emotionaler Nonsens ist und dass sich auch dieser Workingtest auf Wind, Licht, Deckung, Distanz und Umfang der Aufgabe herunterbrechen lässt. Doch diese Vorgehensweise würde Sherborne nicht gerecht. Dabei sind die technischen Details enorm und deren Beschreibung bereits abendfüllend. Die in den Aufgaben zu bewältigenden Distanzen, spektakuläre Geländeübergänge, zu überspringende Hindernisse an steilen Böschungen, riesige, vom Hund zu durchquerende Flächen mit hüfthoher Deckung, große Wasserflächen mit schwierigen Uferformationen, usw. ließen keinen Zweifel an einer internationalen Meisterschaft. Beeindruckend auch das Technische Gerät, das hier aufgefahren wurde. So kam hier eine Art stationärer Dummylauncher zum Einsatz, der es ermöglichte per Fernsteuerung bis zu 12 Dummies hintereinander, exakt in ein Zielgebiet einer Aufgabe zu feuern. Hohe Wiederholgenauigkeit gewährleistete Chancengleichheit für die Hunde. Bequemen Shuttletraktoren, die, wenn gewünscht, Besucher und Teams auf Strohballen von Aufgabe zu Aufgabe fuhren oder die zeitnahe, für jeden einzusehende, fortlaufende Aktualisierung der Punktestände auf einer großen Infotafel, zeichneten für mehr als professionelle Weitsicht der Veranstalter.

Dennoch fand für mich das Ereignis aber eher "zwischen den Zeilen" statt. Die BZG Sauerland hatte zwei 600 Jahre alte Cottages gemietet, die sie mit 8 Retriever - Begeisterten bezog. Wer die Gegend um Sherborne kennt, weiß von der Liebe der Engländer zur Pflege ihrer Flora zu berichten. Kilometerlange Hecken, aufwendig gepflegt, auffallend viele gigantische Bäume, von denen jeder Einzelne so manchem kontinentalem Postkartenmotiv das Fürchten lehren könnte. Öffentliche Gärten präsentieren sich mit aberwitziger Artenvielfalt und jahrhundertealte Kirchen- und Klosteranlagen verströmen den Geruch von Historie und Tradition. Die kargen Küsten bilden hierzu innerhalb weniger Kilometer einen atemberaubenden Kontrast. Auch wenn mir bewusst ist, wie theatralisch dies klingen mag, blendet man den "zivilisierten" Alltag, wie zum Beispiel den hektischen Weltstadtmoloch London sehr schnell aus, und ist vielmehr an "Der Hund von Baskerville", "King Arthur" oder F.H. Hodgson´s "Little Lord Fauntleroy" (Der kleine Lord) erinnert. Die landesübliche Sprache bewirkt das Übrige.


So eingestimmt am ersten Wettkampftag das Gelände des Geschehens betretend, wird man schnell von einer Stimmung mitgerissen, deren "in Worte fassen" ich hier versuche. Es ist die Ruhe Aller. Die Ruhe der Richter, die der Organisatoren, die der Helfer, die Ruhe der Teilnehmer und nicht zuletzt die der Hunde. Alles fühlt sich an, wie ein jahrhundertealtes Ritual für dessen Umsetzung niemand mehr Fragen stellen muss, für dessen Umsetzung jeder Anwesende weiß, was er zu tun hat. Diese Souveränität, die man sich andernorts sooft beim Umgang mit dem Hund wünscht, hier ist sie fühlbar.

Wenn einige der besten Retriever Europas in 120m Entfernung unmittelbar nach dem Stop - Pfiff welpengleich mit dem gesamten Hintern wedelnd auf das nächste Kommando warteten, wenn Tophundehandler in den Wartezonen mit ihren Hunden dicht an dicht in der Sonne lagen und dabei Hunde nach erfolgloser Leckerchen - Suche ihre Nase minutenlang ruhig in der Jackentasche des Handlers stecken ließen, wenn Hunde nach missglückter Aufgabe dennoch schulterhoch an ihrem "Teamchef" hochsprangen, dann konnte der Betrachter in Sherborne genau das beobachten, was Buchautoren wie Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen oder Christiane Rohn meinen, wenn sie beschreiben, wie wichtig Emotionalität und Intuition im Umgang mit dem Hund ist. Mir jedenfalls hat das offensichtliche Urvertrauen einiger Tiere zu ihren Handlern den ein oder anderen Klos in meinem Hals bereitet.

zum 2. Teil "Gefesselt von Unerwartetem" >>


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