Vor 100 Jahren wurde der Schriftsteller Christopher Isherwood in Cheshire geboren. Sein "Goodbye to Berlin" lieferte die Vorlage zu dem Musical "Cabaret" mit Liza Minnelli.
Von Dirk Jung
Christopher William Bradshaw-Isherwood gilt als einer der bedeutendsten
schwulen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In seinem 1971
veröffentlichten Werk "Kathleen und Frank" über seine Eltern schreibt
er nebenbei über seine Homosexualität. Wer seine Bücher kannte, für den
war dies allerdings keine Offenbarung. 1964 beschrieb er in "A Single
Man" ("Der Einzelgänger") einen Tag in dem Leben des schwulen George,
ein Mann mittleren Alters, der sich nach dem Tod seines Partners in
Einsamkeit verliert. In "The World In The Evening" (1954) stellt er
dar, wie ein Schriftsteller versucht, mit seiner Homosexualität und
seinen gescheiterten Ehen klarzukommen.
Letzteres Problem hatte Isherwood nie. Schon in jungen Jahren lernte er
Wystan Hughes Auden während eines Medizin-Studiums in Cambridge kennen.
Die beiden verband mehr als eine Freundschaft. Allerdings war es W.H.
Auden, der eine Ehe einging - mit Erika Mann.
In
den "Berlin Stories" war das Thema Homosexualität bereits sehr früh
Inhalt seiner Geschichten. Im Film "Cabaret" von Bob Fosse zeigt die
Figur des Brian Roberts starke autobiographische Züge. Isherwood, der
über sich in der dritten Person schreibt, berichtet in "Lost Years":
"Auden und Christopher müssen gerungen haben während ihres
Sexualaktes...". Diese 1971 verfassten, sehr intimen Bekenntnisse
Isherwoods sollten eigentlich nie veröffentlicht werden. Mit
"Christopher And His Kind" (1977) war der Autor bereits zu einem
Verfechter der Schwulenbewegung avanciert, im Jahr 2000 brachte sein
ehemaliger Lebenspartner, der Künstler Don Bachardy, Isherwoods
Nachkriegs-Erlebnisse aber doch auf den Markt.
Nachdem Isherwood von 1929 bis 1933 längere Zeit in Berlin war, reiste
er mit seinem damaligen 17-jährigen Freund Heinz mehrere Jahre lang
durch Europa. Als Heinz zum Militär eingezogen wurde, begab sich
Isherwood auf eine Reise durch China ("Journey to a War, 1939"). 1939
ging er mit W.H. Auden in die USA. Dort schrieb er für Hollywood einige
Drehbücher und nahm 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1953
wurde der 18-Jährige Barchady der Partner des Schriftstellers und blieb
bis dessen Krebstod am 4. Januar 1986 mit ihm zusammen.